R4nd4l3R4lfs Gamerezension zu „Spec Ops: The Line“

„Ich dachte immer, wenn ich an einem Ort des Bösen sterben würde, dann würde meine Seele nicht in den Himmel kommen! Aber jetzt? Meine Fresse! Mir ist egal, wo sie hinkommt, wenn es nur nicht hier ist!“

Und hier bin ich wieder. Einige fragen sich sicher, was die Überschrift soll. Die Filmfreaks unter euch erkennen vielleicht, dass ich hier Copolla’s Meisterwerk „Apokalypse now“ zitiere. Und warum? Heute schreibe ich über Spec Ops: The Line vom deutschen Entwicklerteam Yager Development. Der erste Antikriegsshooter,sden man wirklich so bezeichnen kann.

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Handlung:

Sechs Monate vor Spielbeginn wird Dubai von einer schweren Serie von Sandstürmen heimgesucht. Nachdem die politische Führung das Problem lange Zeit heruntergespielt hat, finden sich zahlreiche Bewohner von den Sandmassen eingeschlossen. Der Afghanistan-Veteran Colonel John Konrad, Kommandant des 33. Bataillons, meldet sich und seine Einheit freiwillig, um die Evakuierung der Zivilbevölkerung zu unterstützen. Scheinbar geht dabei Einiges schief und man verliert den Kontakt zur Außenwelt. Zwei Wochen vor Beginn der Spielhandlung wird ein kurzes Lebenszeichen Konrads empfangen. In diesem erklärt er, dass die Aufstellung der Karavane ein dramatischer Fehlschlag mit hohen Verlusten gewesen sei. Das US-Oberkommando beschließt, ein dreiköpfiges, verdeckt operierendes Delta-Force-Team für eine Aufklärungsmission in die Region zu schicken. Captain Martin Walker, Lieutenant Alphonse Adams und Staff Sergeant John Lugo erhalten den Befehl, den Verbleib von Konrad und seiner Einheit aufzuklären und dem Hauptquartier Meldung zu erstatten.
Hier übernehmen wir die Kontrolle von Cpt. Walker. Wir erkunden die verwüstete Stadt Dubai und treffen dabei zunächst auf eine Art Rebellen aber später auch auf Soldaten. „Wieso,weshalb,warum? Wer nicht fragt,bleibt dumm!“
Aber diese Antworten werden euch im Laufe des Spiels gegeben. Je tiefer wir in Dubai eindringen, umso mehr wird klar,das ist ein Himmelsfahrtkommando.

Gameplay:2014-01-27_00002

Die Schusswechsel erfolgen in guter alter Deckungsmanier,wie in Gears of War und anderen 3rd-Person-Shooter. Mit kleinen Befehlen könnt ihr auch eure Kameraden Befehle erteilen, ein wirklicher Taktik-Shooter wie zum Beispiel „The Bureau“ aus der X-Com-Welt ist es aber nicht.
Die Steuerung per Controller geht schnell von der Hand. Auch das Schiessen aus der Deckung hat man schnell raus. Die KI der Kameraden ist in den Kämpfen,meines Erachtens nach, gut. Die Jungs greifen von selber an, suchen selber Deckung und rennen nicht ins offene Messer, ebenso sagen sie dir, von wo angegriffen wird,falls man mal die Gegner übersieht oder warnen dich vor Soldaten mit RPGs. Die Gegner verhalten sich auch nicht grad dumm, ist die Flanke offen, kann es schnell passieren, das man ins offene Messer fällt.
Die Gesundheit regeneriert sich allein, der Gesundheitsstatus ist daran zu erkennen, dass sich der Bildschirmrand rot färbt. Munition findet man in Kisten, welche in den Camps der Soldaten zu finden sind. Ansonsten krallt man sich die Waffen der Gegner. Man kann immer zwei Waffen mit sich tragen. Eine kleine taktische Tiefe kriegt der Sand. Wirft man eine Granate, wird Sand aufgewirbelt und die Gegner sehen einen nicht. Die Duelle in den Sandstürmen sind auch nicht ohne, da man die Gegner erst spät erkennt aber diese sehen einen auch nicht. Gegen Ende treten auch mal gepanzerte Gegner auf, die einiges einstecken können. Als Belohnung winkt hier eine schwere Waffe, die der Gegner fallen lässt. Taktik ist gefragt, wenn man ein Geschütz angreifen muss.
Zu kritisieren ist das sehr lineare Gameplay. Meiner Meinung ist dies damit begründet, dass der Spieler die Handlung verfolgen soll und das Spiel eh nur einen Schauplatz Dubai hat. Dieser ist sehr schön dargestellt. Sowohl die Charaktere als auch das unverbrauchte Setting sieht schön und stimmig aus.
Die Kämpfe werden von einem starken Soundtrack untermalt. Ob Alice in Chains, Deep Purple oder Jimi Hendrix. Die Kämpfe rocken dann im wahrsten Sinne des Wortes. Und wenn Jimi im Hauptmenü die Melodie der amerikanischen Hymne in die Gitarrensaite haut, hat man einfach schon Bock auf das Spiel.
Ab der Mitte des Spiels nimmt die Handlung und besonders die Kritik am Krieg richtig Fahrt auf. Man wird vor Entscheidungen gestellt, welche aber keinen Einfluss auf das Spiel haben und immer mehr mit der dreckigen Fratze des Krieges konfrontiert. Und hier liegt die Stärke des Spiels. Es ist dreckig und brutal. An einigen Stellen findet man Leichen von Zivilisten oder hingerichtete Soldaten. Man fragt sich mehr und mehr, was passiert ist. Der traurige Höhepunkt ist der gezwungene Einsatz von weißem Phosphor, gepaart mit einer traurigem Twist.
Interessant ist auch die Interpretation der drei Charaktere. Walker beginnt mehr und mehr zum Bösen mutieren, er wird eine Art Antiheld. Lugo fängt an Walker’s Entscheidungen zu hinterfragen und gerät dabei mit Adams aneinander, der Walker blind folgt.
Das letzte Drittel des Spiels ist gepaart mit Höhepunkten. Und das Finale lässt einen mit offener Kinnlade und einigen Fragen zurück.

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Technik:
Wie schon erwähnt sieht das Spiel gut aus. Die Umgebung ist zerstörbar,daher sollte man achten,wohinter man sich versteckt. Die Deckung kann nach Dauerbeschuss schnell mal weg sein. Die Lichteffekte sind sehr schön und die Stadt Dubai sieht fast wie Urlaub aus. Das hier die Systemanforderungen moderat sind,macht es umso besser:
Betriebssystem:Windows XP SP3
• Prozessor: Intel Core 2 Duo @ 2 GHz / AMD Athlon 64 X2 equivalent
• Speicher:2 GB RAM
• Festplatte:6 GB frei
• Grafikkarte:NVIDIA GeForce 8600 / ATI Radeon HD 2600XT (256 MB Speicher)
• DirectX®:9.0
• Sound:DirectX kompatibel

Fazit:
Spec Ops: The Line beginnt wie ein typischer Shooter aber es ist keiner! Mehr und mehr verschwimmt die Grenze zwischen Gut und Böse. Der Spieler wird am Ende zurück gelassen mit der Frage: „War ich jetzt der Held oder doch der Feind?“
Mit gut gesprochenen Zwischensequenzen wird der ethische Abstieg Walkers beschrieben und Lugo und Adams kann man gern wie folgt interpretieren: Adams ist der Soldat, der blind gehorcht während Lugo der zweifelnde Soldat ist, der noch sein Hirn einschaltet.
The Line unterscheidet sich immens von der ganzen Shooterkost. Ein Vorteil könnte sein,dass Yager Developments als deutscher Entwickler den Krieg anders sieht als die ganzen amerikanischen Studios,welche mit CoD oder Battlefield ein Hurray auf den Krieg vermitteln oder an sich immer das gute, alte, klare Bild von Gut und Böse zeigen. Dies ist aber meine Ansicht.
Spec Ops: The Line ist spielerisch Standardkost aber es ist das erste Spiel, was sich mit dem Krieg anders auseinander setzt als der Rest des Genres.
Gern zitiere ich mal Axel Hengstbach aus der Computer Bild Spiele:
„Wie weit darf ein Videospiel bei der Darstellung von Gewalt gehen? Diese Frage stellt sich einem beim Spielen dieser Action-Achterbahnfahrt ständig. Doch wenn man die Geschichte um Captain Walker beendet, über Stunden seinen inneren Kampf förmlich spürte und nach dem aufwühlenden Finale ungläubig vor dem Bildschirm verharrt, dann weiß man: „Spec Ops“ ist ein Statement gegen den Krieg. Es ist der Versuch, eine ernste Thematik in packende Unterhaltung für Erwachsene zu hüllen, den Spieler wachzurütteln. Das ist kein „Call of Duty“, auch wenn die Spielmechanismen ähnlich funktionieren. Sondern ein stark inszenierter Action-Kracher mit bewegender Botschaft, ein „Apocalypse Now“ im Spielformat.“

Und ja, der Vergleich ist passend, schaut man sich die Charaktere und den Spielverlauf an,kommt man nicht drum herum zu glauben, die Parallelen sind gewollt. Und das ist gut so.
Ich kann jedem Fan von 3rd-Person-Shooter dieses Spiel ans Herz legen. Hut ab vor Yager Developments. Spec Ops: The Line ist erst deren zweites Werk und mit einem klaren Antikriegs-Shooter hat man sich auf komplettem Neuland bewegt. Und der Weg war mehr als richtig. Genau so ein Spiel hat die Branche meiner Meinung nach gebraucht. Mit diesem Spiel hat man bewiesen, dass Computerspiele denselben Stellenwert verdient haben wie Filme und Bücher und nicht nur Kinderkram sind beziehungsweise Teenies zeigen, dass Töten cool ist. Dieses Spiel zeigt dem Spieler aktiv, dass Krieg scheisse ist. Und das ist auch gut so!

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