Die letzten Menschen… sind nicht allein

Wir schreiben das Jahr 2033. Vor fünfundzwanzig Jahren hat ein Krieg weite Teile der Welt verwüstet. Nur in den gigantischen U-Bahn-Netzen der Städte konnten die Menschen überleben. Dort unten, in der Tiefe, haben sie eine neue, einzigartige Zivilisation errichtet. Eine Zivilisation jedoch, deren Existenz bedroht ist. Artjom, ein junger Mann Anfang zwanzig, lebt seit seiner Kindheit im Untergrund der Moskauer Metro. Ein behütetes Leben an der Seite seines Stiefvaters. Doch obwohl Artjom weiß, dass in den Tunneln tödliche Gefahren lauern, zieht es ihn unaufhaltsam in die Ferne. Und so zögert er nicht lange, als sich ihm die Gelegenheit bietet, seine Heimatstation zu verlassen. Es ist der Beginn einer phantastischen Reise durch das weit verzweigte Netz der Moskauer Metro – eine Reise, die über das Schicksal der gesamten Menschheit entscheidet. ( Dmitry Glukhovsky, 2007)

Auch wenn das Intro und die Überschrift was anderes vermuten lassen, nein hier geht es nicht um ein Buch 🙂 Aber ja, beides ist aus einem Buch. Und zwar aus dem Besteller „Metro 2033“ , welches bereits drei Jahre nach Erscheinen versoftet wurde. Zuständig hierfür waren die bis dahin eher unbekannten Jungs von 4A Games aus der Ukraine unter der Schirmherrschaft von THQ, welche bekanntlich nicht mehr existieren aber viele, tolle Spiele heraus brachten.

Die Handlung des Spiels ist stark ans Buch angelehnt aber deutlich gestrafft und actionreicher. Zum Vergleich: Das Buch hat 764 Seiten (Taschenbuchausgabe von 2012) und das Spiel eine Spieldauer von 7-8 Stunden. Die Geschichte ist relativ schnell erzählt. Ihr schlüpft in die Haut des Helden Artjom und bekommt den Auftrag von eurer Heimatstation zur Polis zu reisen um die „Regierung“ der Metro vor den Schwarzen zu warnen. Bei den Schwarzen handelt es sich um neue Bedrohnung, neben Mutanten, Banditen, Nazis und Revolutionären. Auf eurer Reise durch die Metro erledigt ihr verschiedene Aufträge aber seid auch nicht immer auf euch allein gestellt. Verschiedene Charaktere werden euch begleiten, selbstverständlich trifft Artjom diese Charaktere auch im Buch.

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Einer der großen Pluspunkte des Spiels ist die Atmosphäre. Selten war ein Egoshooter in seiner Atmosphäre bedrückender als Metro 2033. In den Stationen ist Leben, Musiker spielen, Kinder rennen umher, es wird gekocht, gestritten, getrunken. In meinen Augen übertrifft Metro 2033 dabei sogar Fallout 3 oder die STALKER-Spiele. Die Hoffnungslosigkeit einer Metro-Bewohner ist fast schon spürbar aber auch der Wille, das Beste aus der Situation zu machen. Die Atmosphäre wird teilweise durch die Synchro getrübt, wenn die Charaktere mit einem russischen Akzent sprechen, was manchmal doch eher ulkig ist. Aber dies stört nicht sehr. Noch beeindruckender ist die Oberfläche, genauer gesagt das zerstörte Moskau, welches nur noch von Mutanten bevölkert wird…und den Schwarzen. Eure Reise zwingt euch jedoch mehrmals dazu an die Oberfläche zu gehen. Macht dies jedoch nicht, ohne ausreichend Filter und eine funktionierende Gasmaske bei euch zu tragen. Und dies führt zurück zur Atmosphäre denn Metro ist relativ realistisch. Eure Filter werden aufgebraucht und auch die Gasmaske kann in Mitleidenschaft gezogen werden und rissig werden, was die Sicht deutlich erschwert. Ebenso beschlägt die Maske von innen und Artjoms Atem wird immer schwerer umso länger man mit dem Wechseln wartet. Um die Atmosphäre zu steigern, fehlt bei höheren Schwierigkeitsgraden sämtliche Anzeigen und ihr müsst hoffen, genug Munition zu haben. Apropos Munition, diese ist auch die Währung im Spiel. Es gibt besondere, hochwertige Kugeln, die durchschlagender sind aber mit denen ihr neue Waffen und Ausrüstung bezahlen könnt. Daher sollte man eher auf die normale Munition zurück greifen. In höheren Schwierigkeitsgraden ist Munition auch seltener verteilt als bei „einfach“ oder „normal“ der Fall ist. An sich ist aber Metro 2033 auch schon auf normal nicht grad einfach. Sehr selten steht vor einem 1 vs 1, meist heißt es einer gegen alle..sowohl bei Mutanten als auch bei Menschen. Und da ein Radar fehlt, muss man schauen wo das Mündungsfeuer genau herkommt. Gegen Ende taucht sogar eine Gegnerart auf, die eigentlich unbesiegbar ist beziehungsweise sehr viel einstecken kann. Bedachtes Schleichen, kombiniert mit Rennen ist hier angesagt.

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Elemente eines Horrorspiels enthält Metro 2033 aber auch. Grad wenn ihr auf euch alleine gestellt seid, hört ihr ein Geräusch hier und ein Knurren da. Besonders in den dunklen Tunneln der Metro kann das den Puls schon mal höher steigen lassen, bis zum Jumpscare. Ab und an enthält das Spiel auch kleine Klettereinlagen. Diese geht jedoch leicht von der Hand, auch wenn es manchmal Try and Error ist. Im Spiel kriegt Artjom auch Visionen über die Schwarzen. Doch was es damit genau auf sich hat, klärt sich erst am Ende.

Die Steuerung des Spiels geht recht schnell von der Hand und ist eher shootertypisch, positiv hervorzuheben ist auch, dass das Spiel sehr gut auf den Xbox 360 Controller abgestimmt ist und man daher auf dem PC auch locker vom Bett oder von der Couch aus spielen kann.Was Metro 2033 auch sehr interessant macht, ist der Fakt, dass ihr entscheidet wie ihr vorgeht. Oftmals habt ihr die Wahl zwischen schleichen und durchballern. Da dem Spiel aber ein Nahkampfkill fehlt, ist das Schleichen jedoch einen Zacken schwerer. Dieser wurde dann in Metro Last Light eingeführt und ist in der Redux-Fassung von Metro 2033enthalten.

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Perfekt ist das Spiel aber nicht. Manche werden die Linearität kritisieren, die Level sind sehr schlauchförmig, was aber damit begründet werden kann, dass es der Buchvorlage entspricht und in dieser Artjom auch einen direkten Weg hat. Auch storymäßig hätte hier eine offene Welt nicht gepasst (Hey, ich hab Zeitdruck aber machen wir hunderte Nebenquests). Des Weiteren ist die KI der Gegner…nicht vorhanden, besonders bei Mutanten kann dieser Chaos-Effekt für viele Frustmomente sorgen. Für Frust sorgen auch die bereits angesprochenen Try and Error-Stellen. Die Gesichter der Charaktere sind manchmal auch etwas ausdruckslos aber dies tut der Atmosphäre keinen Abbruch. Was sehr schade ist, dass Artjom im Spiel nicht redet. Aber als Wermutstropfen fasst während des Ladebildschirms Artjom seine Gedanken über das Geschehene zusammen und erzählt uns, wie er sich fühlt und was er denkt.

Alles in allem sollte Metro 2033 ein Muss für Shooter-Fans sein, heutzutage greift man natürlich zur Redux-Fassung, welche einige spielerische Elemente von Last Light mit einbezieht und grafisch nochmal aufgebohrt wurde. Was man kriegt, ist eine gute Story, gepaart mit einer fantastischen Atmosphäre. Mit etwas Glück findet man in den Stationen ein paar Nebenmissionen, erfüllt man diese, sieht man ein alternatives Ende…Ansonsten kriegt man das Ende wie im Buch zu sehen. Kennt man das Buch, kann man 4A Games nur loben, da man alles richtig gemacht und das Buch toll umgesetzt hat.

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