Drei sind einer zu viel

Und da bin ich schon wieder. Denn am Wochenende war es soweit. Ich hab die Kampagne in GTA V beendet. Ein kleines Vorwort zu mir und GTA. Es ist eine kleine Hassliebe zwischen uns. GTA Vice City war damals genial, alles stimmte und dann kam San Andreas und es wurde kompliziert. Zweimal hab ich es versucht und nach maximal 14 Spielstunden hatte ich keine Lust mehr. Das lag zum einen an dem sehr speziellen Setting, der teilweise anstrengenden Steuerung, das Missionsdesign und besonders dieser (Sorry) Schwachsinn mit Sexappeal, Fitness und das man dick oder dünn werden kann. Dann eines Tages gab es bei Media Markt GTA V in einer „3 für 49€“ Aktion und irgendwie haben sich Frolleinchen und ich entschieden, es zu kaufen. (Ja, auch auf Empfehlung eines Freundes, der GTA IV verfluchte aber GTA V sehr gelobt hat) Und dann hab ich es angespielt und war gefixt. Warum? Und noch mehr im folgenden Text.

Die Story von GTA V wird sehr gut erzählt. Wir beginnen als Michael und sind mittendrin in einem Banküberfall, wo natürlich erstmal alles schief geht. Unser Freund Trevor glaubt, dass wir tot sind und taucht unter. Die Beute…weg..

Und dann erfolgt ein Zeitsprung in die Gegenwart. Handlungsort ist wie schon in San Andreas die fiktive Stadt Los Santos. Man erkennt zwar einzelne Gegenden aus San Andreas wieder aber Fans des alten Spiels werden vermutlich enttäuscht sein, dass sich markante Gegenden doch nicht wieder erkennen lassen. Rockstar hätte hier ruhig etwas Fanservice einbauen können. Aber nun gut. Weiter im Text.

Michael ist in der Zwischenzeit im Ruhestand und hat andere Probleme: Frau nervt, Kinder auch..alles also wie immer. Dies ändert sich als ein gewisser Franklin bei ihm einbricht und sein Auto klauen will. Franklin ist der zweite Charakter, den wir zu Beginn übernehmen können. Zusammen mit seinem Kumpel Lamar ist er als kleiner Autodieb unterwegs und der Job in Michaels Haus zieht ihn in einen Strom aus Gewalt und Verrat. Das Schicksal bringt die beiden zusammen und nachdem Michael in einem Eifersuchtsanfall das falsche Haus zerlegt, brauch er Franklins Hilfe seine Schulden abzuzahlen. Hierfür sucht er seinen Freund aus alten Zeiten Lester auf. Zusammen ziehen sie einen Raubüberfall durch. Dies bleibt aber nicht ohne Folgen. Ab hier können wir auch die Rolle von Trevor übernehmen. Dieser erfährt, dass Michael lebt und macht sich auf den Weg nach Los Santos, aber nicht bevor er noch eine Rockerbande in seiner Gegend auseinander nimmt. Das Schicksal führt die drei wieder zusammen und ab hier zieht die Story richtig gut an. Es geht um Freundschaft, Verrat und Vertrauen. Doch mehr möchte ich an dieser Stelle nicht zur Story verraten und würde den Rahmen des Textes sprengen.

Das Highlight des Spiels ist eindeutig, dass man drei Charaktere spielen kann und jederzeit zwischen den Jungs hin und her springen kann. Dies ist immer sehr schön animiert indem die Kamera nach oben über die Stadt geht und dann an dem Punkt des anderen Charakters wieder ran zoomt. Überhaupt ist die Kameraführung in dem Spiel sehr gut gemacht. Auch der Übergang zwischen Cutscenes und dem Spiel sind flüssig und stimmig. Man hat also nie mit Ladebildschirmen zu tun. Auch bei der Charakterzeichnung hat Rockstar ganze Arbeit geleistet. Michael ist der spießige Bankräuber AD, dessen bester Freund sein teurer Psychiater ist, Franklin ist der Kleingangster aus dem Ghetto, der gern raus will (Ja, er erinnert sehr stark an CJ aus San Andreas) und Trevor ist der Psychopath-gewaltbereit, verrückt aber trotzdem loyal. Im Verlaufe des Spiels wird sich aber heraus kristallisieren, dass Franklin der Hauptcharakter in der guten, alten GTA-Manier ist. Schön ist aber, dass sich dies erst gegen Ende bemerkbar macht. Jeder der Charaktere kriegt genügend Zeit und hat seine eigenen Nebenmissionen.

Kommen wir jetzt zu den Pluspunkten des Spiels. Gleich ins Auge fällt die sehr gute Steuerung. Ob Fahrzeug oder die Charaktere, die Steuerung geht schnell über und ist einfach aufgebaut. Endlich hat auch die Mechanik der Deckungs-Shooter ihren Weg in GTA gefunden. Dies macht die Schusswechsel deutlich besser und man stirbt nicht mehr so leicht wie in den Vorgängern. Nächster Pluspunkt ist die Inszenierung der Missionen. Als ich den ersten Banküberfall durchzog, klappte mir die Kinnlade runter als man plötzlich im Ganzkörperpanzer und mit Gatling-Gun die anrückende Polizei aufmischen durfte. Hier hat Rockstar sehr gute Arbeit geleistet und man fühlt sich wie in einem Action-Blockbuster. Ebenso sind die Hauptmissionen abwechslungsreich und langweilen zu keinem Zeitpunkt. Überhaupt sind die Banküberfälle die absoluten Highlights im Spiel. Man kann sich entscheiden, wer alles dabei ist (außer die Hauptcharaktere) und den Banküberfall planen und vorbereiten. Bei jedem Job gibt es immer zwei Alternativen. Meist ist es „Mit Gewalt und brachial oder mit Gewalt und Köpfchen“. Leider kommen sie im Spiel zu kurz. Während der Überfälle und auch anderer Missionen kann/muss man zwischen den Charakteren switchen. Hier ein großes Lob an Rockstar, den dieses Element mit drei Protagonisten ist spielerisch ein absolutes Highlight. Zumal jeder eine Spezialfähigkeit hat. Trevor so eine Art „Ragemodus“, Franklin kann in Bullettime driften und Michael…hab ich nie benutzt daher vergessen. Man sieht, dass diese Fähigkeiten nicht zwingend gebraucht werden, schade. GTA-typisch ist die Synchronisation auch wieder über jeden Zweifel erhaben und auch die Charaktere sind gut gezeichnet und abwechslungsreich. Los Santos ist eine Stadt die lebt und man cruist auch gerne mal einfach durch die Gegend. Ebenso ist die Open World abwechslungsreich gestaltet mit Wüste, Stadt, Strand und ein Wald darf nicht fehlen. Will man wandern, geht es einfach in die Berge. Die Story ist top geschrieben und spannend bis zum Ende aber dies führt mich auch gleich zu den negativen Seiten des Spiels.

Egal wie gut die Story geschrieben und inszeniert ist. Ab einem Punkt ist sie überladen. Korrupte Bundesagenten, Familienprobleme, Chinesen, private Sicherheitsarmee, kleine Gangster, große Gangster. Schnell kann man den Überblick verlieren. Gegen Ende wusste ich schon gar nicht mehr, warum Mayweather, die private Sicherheitsarmee, eine meiner Antagonisten war. Ich musste lange überlegen und irgendwann fiel es mir wieder ein..Schade Rockstar aber manchmal ist zu viel zu viel. Ebenso verlaufen Folgen einer Mission im Nichts. Am Anfang töten wir eine IT-Größe und warum? Ich weiß es nicht mehr. Folgen für die Welt? Nichts gemerkt. Und das führt wieder zu einem Knackpunkt bei Open World-Spielen…Haben sie anorganische oder organische Nebenmissionen? Rockstar versucht eine Mischung aus beiden aber am Ende überwiegen leider die anorganischen Nebenmissionen, die irgendwie keinen Sinn ergeben. Es gibt Freizeitbeschäftigungen für die Charaktere, wobei diese wenigstens noch etwas Sinn ergeben, denn Sport macht uns stärker und wir können härter zuschlagen. Wie schon in den Vorgängern gibt es wieder eine Art Talenteauflevelung. Je öfter ich mit einem Charakter fahre oder Sport mache, je besser werden seine Skills. Aber nur weil sie für das aufleveln der Fähigkeiten Sinn ergeben, heißt das nicht, das sie an sich Sinn ergeben. Ich denke mir einfach, dass die drei andere Sachen zu tun haben als Fallschirm springen, Tennis spielen oder ne Runde zu golfen. Aber wem es Spaß macht, soll es genießen (und ja, für ne halbe Stunde hatte ich auch mit golfen meinen Spaß). Alles in allem sind manche Nebenmissionen einfach unsinnig. Warum soll ich für nen paar alte Touris Sachen von Promis klauen? Oder ne Runde Amok laufen? Grad Trevor glänzt mit sinnfreien Nebenmissionen. Auch gibt es für alle drei ne Nebenmission mit einem Marihuana-Dealer. Klar sind die Drogentripps lustig gemacht und unterhaltsam. Aber warum sind die Missionen da? Was bringen sie? Keine Ahnung. Einzig Michael hat gegen Ende wenigstens sinnvolle Nebenmissionen wo es darum geht, seine Familie wieder zu vereinen. Ansonsten ist es das übliche Problem bei Open World Spielen und mir. Bis auf The Witcher hat es noch kein Open World-Spiel geschafft, Nebenmissionen zu besitzen, die mich bis zum Ende unterhalten, die mir das Gefühl geben „Ja, das bringt was“. Selbstverständlich kann ich hier nur für Spiele reden, die ich selbst schon gespielt habe. Und wie so oft ist es dann der Fall, dass ich ab der Hälfte des Spiels keinen Bock mehr auf Nebenmissionen habe und somit von Storyaufgabe zu Storyaufgabe springe. Weiterer negativer Knackpunkt ist die Steuerung von Hubschraubern. Entweder liegt es an mir oder dem Spiel. Ich weiß es nicht. Aber ich kam mit den Dingern einfach nie so richtig zurecht. Grad wenn es darum ging etwas mit dem Hubschrauber zu entführen und wir dann mit einem Greifhaken zuschlagen mussten…nervig ohne Ende.

Im Fazit ist GTA V der beste GTA-Teil den ich gespielt habe und meine Abneigung gegen alle Titel nach Vice City hat wenigstens mal eine Ausnahme gefunden. GTA IV ist okay aber hat auch seine großen und kleinen Macken. Die Story, die Charaktere, die Mechanik bei Schusswechseln und die Steuerung der Fahrzeuge sind ein Genuss. Dem gegenüber stehen typische unsinnige Nebenmissionen, eine Story die an manchen Stellen überladen ist (Ja auch wenn sie im Großen ein Genuss ist, so hat sie ihre Macken, wie schon beschrieben) sowie doof zu steuernde Hubschrauber. Wie ihr seht, haben auch die positiven Aspekte einen faden Beigeschmack. Empfehlenswert bleibt es allemal, da ja nicht jeder so eine Abneigung gegen meiner Meinung nach unsinnige Nebenmissionen haben wird. Trotz allem Lobes für GTA V wird es für mich nicht am Krösus seines Genres vorbei kommen und das bleibt Sleeping Dogs, auch wenn es „GTA-Klon, der in Hongkong spielt“ verschrien ist. Die Story wird euch bis zum Ende bei Laune halten und dann…ja dann, dürft ihr auch mal eine Entscheidung treffen, welche mit dem Titel des Artikels zu tun hat. Wie sie genau aussieht und warum es soweit kommt, erlebt ihr selbst, wenn ihr GTA V spielt.

Advertisements

2 Gedanken zu “Drei sind einer zu viel

  1. Hey ein Gamerblog, großartig ! Werde ich im Auge behalten.
    Ich würde auch gerne mal Spiele Artikel veröffentlichen aber ich bin zu faul, ich zocke lieber als zu schreiben ;).

    Ich bin ebenfalls großer GTA Fan und vergöttere Vice City (wegen dem herrlichen 80er Jahre Setting). Und San Andreas war auch großartig. Alleine die Idee dass die Spielfigur fett oder muskulös wird je nachdem wie wir spielen. GTA V hatte bei mir tatsächlich auch den Effekt dass ich die meisten der Freizeitbeschäftigungen nicht gemacht habe und diverse Nebenmissionen mir sinnlos vorkamen wie du beschrieben hast. Früher gab es für so etwas echte Belohnungen. Für alle erledigte Feuerwehrmissionen wurde man z.B. feuerfest etc. man hatte also was davon. Jetzt gibt es Achievements…
    Die Belohnungen wurden durch diese rollenspielartigen Attribute ersetzt die man hochleveln kann. Schön, aber ist nicht das Gleiche.

    Und wer gegen wen und warum habe ich mich auch manchmal gefragt… besonders schwer wenn man es nicht am stück durchspielt. Ist aber spielerisch egal wen man warum erledigen muss.

    Gefällt mir

    1. San Andreas war einfach nicht meins..Hatte es vor kurzem nochmal versucht aber es sprang kein Funke über..Es gab zu viele Punkte, die mich nervten…Die Missionen, das Missionsdesign, die Steuerung…Auch die Story konnte bei mir nichts auslösen

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s