Mit großer Macht kommt große Verantwortung

Heute mal wieder etwas aus dem Kochbuch, wie man ein gutes Spiel macht. Man nehme eine große Portion von Eric Bress’s „Butterfly Effect“, kombiniere es mit dem Spielstil der Telltale-Spiele, eine Brise weibliche Heldin, eine große Portion Higschool-Klischees und zum Schluss ganz viel Emotion. Was kommt heraus? Die Indie-Überraschung Life is Strange. Es war eine wunderbare Spielerfahrung die mich emotional bis zum Ende gepackt hat. Passend zum Release der Retailversion liefere ich euch heute meine Rezension über das Spiel. Aber alles auf Anfang.

Wir schlüpfen in die Rolle von Maxine Caufield, einem 18 Jahre alten Teenager, die in ihre Heimatstadt Arcadia Bay zurückkehrt. Das Spiel beginnt mit einer Traumsequenz von Max. Während einer stürmischen Nacht begibt sie sich zum Leuchtturm und sieht von weiten wie ein riesiger Tornado auf die Stadt zu steuert und sie erfährt aufgrund eines Zeitungsartikels, das sie noch fünf Tage hat bis dieser Sturm auf die Stadt trifft. Max erwacht aus ihrem Traum und findet sich in ihrem Klassenzimmer wieder. Als sie eine Frage des Lehrers Mark Jefferson falsch beantwortet, merkt sie, dass sie die Zeit zurück drehen kann. Und dies ist die große Macht, auf der ich mit dem Zitat von Onkel Ben aus Spiderman anspiele. Kurz danach geht sie auf die Mädchentoilette und kann aufgrund ihrer neuen Macht ihre alte Freundin Chloe Price vor dem sicheren Tod retten. Durch Chloe erfährt Max, dass diese ihre Freundin Rachel sucht, welche spurlos verschwunden ist. Und dann beginnt das Abenteuer der zwei Mädchen.

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Auf der Suche nach Rachel decken sie dreckige Geheimnisse der Stadt auf und versuchen das Schicksal zu ändern. Natürlich geht nicht alles gut und die Franzosen von Dontnod Entertainment schicken uns hier auf einen emotionalen Trip, der seinesgleichen sucht. Wie schon bei Telltale ist das Hauptspielprinzip, das wir über Dialoge die Handlung vorantreiben. Dabei stehen uns verschiedene Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung und wenn wir was Neues aus dem Gespräch erfahren haben, können wir die Zeit zurück drehen und Max weiß diesmal die richtige Antwort. Somit kann sie das Vertrauen von Mitschülern gewinnen oder einfach Eindruck schinden indem sie alles weiß. Wie schon bei Telltale haben unsere Handlungen auch Folgen und die NPCs reagieren auf unsere Entscheidungen und Aussagen. Idealerweise können wir jederzeit überlegen ob wir die Entscheidung revidieren oder nicht und damit experimentieren wie der Gegenüber reagiert und uns überlegen, welche Antwort wir final wählen. Sobald oben links im Bildschirm ein Schmetterling zu sehen ist, wissen wir, dies wird Folgen haben.

Auf die Geschichte hat dies bedingt Einfluss. Die Episoden enden immer an der gleichen Stelle und mache Ereignisse lassen sich wohl nur hinaus zögern (ein zweiter Playthrough wird kommen aber nicht sofort) aber in Bezug auf unsere Interaktion mit den anderen Schülern hat es schon Einfluss wie wir handeln. Die kleinen Rätsel bauen auch darauf auf, das wir die Zeit zurück drehen können und damit Situationen voraussagen oder kleine Veränderungen vornehmen ohne das der Verdacht auf Max fällt. Denn alles was Max anfässt oder ändert, geht nicht in seinen ursprünglichen Zustand wenn Max die Zeit zurück dreht. Unlogisch? Egal! Das Hauptaugenmerk dieses Spiels liegt auch mehr auf das menschliche Miteinander. Thematisiert werden Themen wie aktive Sterbehilfe, Selbstmord, Verantwortung, Gewalt, Mobbing an Schulen, Vertrauen und Überwachung an Schulen. Das klingt erstmal sehr viel aber es wird so wunderbar inszeniert, dass es nicht überladen wirkt. Es wirkt in sich stimmig.

Je weiter die Hobbydetektive Max und Chloe der Wahrheit näher kommen, je spannender wird das Spiel. Storytechnische Fragen werden beantwortet und gleich wieder Neue gestellt. Die dunkle Wahrheit von Arcadia Bay kommt mehr und mehr hervor und es wird immer schwieriger herauszufinden, wer eigentlich Freund und wer der Feind ist. Max ihre Macht über die Zeit wird mit der Zeit größer aber wie schon in Butterfly Effect muss sie aufpassen, denn Schwächeanfälle und Nasenbluten sind der Tribut für die Macht. Der Sturm kündigt sich durch Naturphänomene wie Schnee im Sommer und tote Wale am Strand an und keiner weiß, was auf die Stadt zukommt.

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Nun möchte ich mal auf die Vor-und Nachteile des Spiels eingehen. Hervorzuheben ist die Story. Emotional erzählt mit Hilfe einer wunderbaren Leistung der Synchronsprecher. Jeder Twist nimmt einen emotional mit, die Entscheidungen treiben einen immer wieder einen Kloß in den Hals und meine Tränen beim Finale vom Episode 3 werde ich so schnell nicht vergessen, auch das Gefühl bei Episode 2 als ich einen Selbstmord nicht verhindern konnte. Ich fühlte mich schuldig weil ich es nicht verhindern konnte, ich hatte irgendein Detail übersehen sonst hätte ich das Richtige sagen können. Hier liegt die absolute Stärke des Spiels. Einen emotional mitreisen zu können. Einen großen Teil dazu trägt der Soundtrack bei. Perfekt zusammen gestellt und einfach stimmig. Natürlich ist nicht alles perfekt. Optisch sind das Spiel eher nach 2008 statt 2015 aus aber es ist ein Indietitel daher nimmt man es den Entwicklern aus Frankreich nicht übel. Ich hatte auch bei Episode 1 mit kleinen Grafikbugs zu kämpfen aber ansonsten lief es sehr flüssig und ohne große Probleme. Und ja, man muss die Klischees der Charaktere hinnehmen. Jedes aber auch jedes Klischee einer Highschool ist hier vertreten. Aber das ist okay da es sehr viele Themen anspricht und damit einfach jedes Klischee dabei sein muss. Auch über das Ende bin ich etwas enttäuscht. Ich hätte mir, besonders nach Episode 2 und 3, ein Ende vorgestellt was alles Vorherige toppt. Aber hier wurden wir wohl verschont. Das Gameplay ist auch nicht jedermanns Sache. Wenigstens gibt es keine Quick Time Events und auch die Antwortauswahl steht unter keinem Zeitdruck wie bei Telltale. Unnötig fand ich die kleine Nebenaufgabe, bestimmte Fotos zu machen aber wer Spaß daran hat, die Motive zu suchen, viel Spaß.

Für mich ist dieses Spiel definitiv die Überraschung des Jahres. Solltet ihr es noch nicht gespielt haben, greift zu. Für PC, PS 4 und Xbox One wurde vor kurzen eine Retailfassung mit allen 5 Episoden veröffentlicht, welcher der geniale Soundtrack sowie paar weitere Goodies beiliegen. Könnte ich die Zeit zurück drehen, würde ich Square Enix sagen: „Gebt Dontnod Entertainment alles Geld was sie brauchen und noch mehr!!!“ Ich hoffe die Gerüchte über Season 2 stimmen aber dann bitte mit neuer Story, neuen Charakteren und neuen Fähigkeiten. Vielleicht entwickelt man ein Konzept für eine Spielereihe über Menschen mit Superkräften die aber normale Probleme haben und trotzdem versuchen, was Gutes zu tun.

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5 Gedanken zu “Mit großer Macht kommt große Verantwortung

  1. Life is Strange wollte ich auch mal ausprobieren. Nur irgendwie könnte ich bis heute noch nicht dafür aufraffen hahaha:) bin zu sehr mit BO3 beschäftigt:D Aber cooler Beitrag.
    Könnte mir bissl Infos zum Spiel holen und ne ehrliche Meinung.

    Gefällt mir

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