oblivion sempiternum daemonis

Wir schreiben das 11. Jahrhundert in einem unbekannten Land fern im Osten Europas. Die Nacht ist bereits eingebrochen und es regnet Regentropfen, groß wie Kisselsteinchen. Die Dorfbewohner flüchten in Angst vor den Kreaturen der Nacht. Den flüchtenden Bewohnern kommt ein Mann zu Ross entgegen. Seine rote Rüstung schimmert im Regen und unter der Kapuze können die Menschen nur schemenhaft sein Gesicht erkennen. An seinem Gürtel ist eine mächtige Waffe angebunden, das Kampfkreuz. Er ist ein Ritter der Bruderschaft des Lichts, den rechtschaffenden Kämpfern im Namen Gottes. Als er vor dem Tor zum Wald steht, zieht er seine Kapuze zurück und rüstet sich zum Kampf gegen die eben einrückenden Lykaner.

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So oder so ähnlich könnte man sich den Beginn von Castlevania-Lords of Shadow als Buch vorstellen. Warum als Buch? Weil das Spiel wie ein Buch aufgebaut ist, Menü, Zwischensequenzen, Ladebildschirm. Castlevania-Lords of Shadow koppelt sich inhaltlich von den vorherigen Castlevania-Spielen ab und schreibt die Chronik der Belmonts neu. Wem das alles nichts sagt, nicht schlimm. Castlevania gehört eher zu den großen, alten Spielen des SNES. Kurz gesagt handelt es vom ewigen Kampf der Belmonts gegen Dracula und seine Schergen. 2010 erschien die hier vorliegende Fassung für die PS 3 und Xbox 360, ich konzentriere mich aber auf die Ultimate Edition für den PC von 2013. Diese enthält kostenlos die beiden DLCs. Entwickelt wurde das Spiel von Konami und Mercury Steam, selbst Mastermind Hideo Kojima hatte seine Hände mit im Spiel und das merkt man.

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Ich beginne erstmal mit Geschichte. Die ist auf dem ersten Blick nicht der Brüller aber es hätte schlimmer sein können. Gabriel Belont sinnt auf Rache aber warum? Seine Frau Marie ist tot und auf dem Weg zur Hölle, derzeit hängt ihre Seele noch im Limbus fest und wir wollen sie natürlich retten. Um dies zu schaffen, benötigt er die Maske Gottes. Diese zu beschaffen ist erwartungsmäßig nicht sehr leicht. Denn die Fürsten der Schatten haben die Teile der Maske unter sich aufgeteilt. Gabriels Reise beginnt mit der Suche nach Pan, einer Gottheit welche den See der Vergessenen beschützt. Dort nimmt Gabriel Kontakt zu Marie auf und trifft auch auf Zobek, einem weiteren Ritter der Bruderschaft des Lichts und nebenbei auch der Erzähler des Spiels. Beide machen sich auf dem Weg zum Schloss von Camilla, der Fürstin der Vampire. Jeder nimmt seinen Weg. Gabriels Weg führt ihn durch das Reich der Lykaner. Immer wieder kreuzen sich die Wege der beiden Ritter. Dabei begegnet man nicht vielen NPCs aber dann sind sie gut geschrieben und stark vertont, wie Laura, Tochter von Camilla, und der Hexe Baba Yaga. Gegen Ende zieht die Story richtig an und wartet mit im Finale mit zwei Plot-Twists auf uns, die wenig überraschen können aber doch in die Welt passen und merklich auf etwas Größeres zu steuern.

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Die Story ist aber nur Beiwerk. Lords of Shadow schaffte es trotzdem, das ich ihm das Prädikat perfekt gebe obwohl mein bisherige Nr.1 BioShock Infinite mit einer Story punktet, die man nie vergessen wird. Aber warum vergöttere ich dieses Spiel? Ganz einfach: der Look, die Vertonung, auch die Story kann dank einer guten Inszenierung punkten, weitere Pluspunkte sind die Erzählweise und natürlich das Gameplay. Das Gameplay ist der helle Wahnsinn und fordert und begeistert zugleich. Aber eins nach dem Anderen.

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Ich fange mit dem Look des Spiels an. Grafisch sieht es schön aus, auch wenn es fünf Jahre alt ist. Die Level sind abwechslungsreich und immer wieder sehr detailliert gestaltet. Das Abenteuer beginnt in einem verregneten Dorf, führt uns weiter durch einen wunderschönen Wald, in ein verschneites Gebirge, durch das Schloss von Camilla bis zur Welt der Toten. Langeweile kommt also nie auf. Durch Schriftrollen, die wir bei toten Soldaten finden, wird uns die Atmosphäre der Welt auch näher gebracht. Interessant ist die feste Kamera. Zu Beginn noch sehr gewöhnungsbedürftig aber nach und nach wird klar, es macht Sinn. Wie in einem Film dreht die Kamera immer genau richtig mit und hebt die Inszenierung, grad bei den Bosskämpfen, nach oben. Nie kam das Gefühl auf, dass es stört und wenn dann sind wir selber schuld weil wir uns zu weit von den Gegnern weg bewegt haben. Die meisten Cutscenes sind weniger zur Erzählung der Geschichte da sondern zeigen Zwischenbosse. Diese wiederum sind so knackig, dass sie woanders nen Endboss wären. Aber nicht hier, wie schon in den alten Spielen ist der Schwierigkeitsgrad anspruchsvoll, selbst auf leicht. Die Geschichte wird meist in den Ladebildschirmen erzählt. Patrick Stewart, der auch Zobek spricht, macht eine tolle Arbeit und liest die Geschichte wie in einem Hörbuch vor. Wir als Zuhörer/Spieler erleben dabei wie der Kampf gegen das Böse Gabriels Seele immer weiter verdunkeln. Mit Worten kann es man das Gefühl schwer erklären, man muss es einfach erlebt haben. Dies hat mich stark an Bastion erinnert, wo die Geschichte von einem permanenten Erzähler erzählt wird. Diese Erzählweise und auch die gut geschriebenen Storycutscenes schaffen es, eine seichte Story toll zu inszenieren. Irgendwie passt es auch, dass Gabriel nicht wirklich viel spricht. Storyrelevant sind die Cutscenes mit den Fürsten der Schatten, diese offenbaren Gabriel eine Wahrheit, die seine Glauben ins Wanken bringen. Trotzdem treibt diesen die Liebe an und die Hoffnung, seine Frau retten zu können.

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Jetzt komme ich zum Prunkstück: Das Gameplay. Man sollte dieses Spiel nur mit Gamepad spielen, die Verwandtschaft zu den Konsolen zwingt uns regelrecht dazu. Zum Kampf haben wir nur zwei Tasten, direkter Angriff und Flächenangriff. Dann noch die typische Blocktaste und eine Taste für Finisher mit dem Kampfkreuz. Dies ist auch unsere einzige Waffe, welche aber upgraded wird und dann gibt es noch Wurfwaffen wie Weihwasser und Dolche. Wie schon bei DmC und God of War handelt es sich hier um ein Hack’n’Slay Action Adventure. Kämpfe gegen große Massen an Gegnern sind völlig normal und treiben uns öfter an der Rande der Verzweiflung aber das ist gut so. Der Clou im Kampfsystem sind die Lichtmagie und die Schattenmagie. Beide können wir aufladen indem wir Leuchtkugeln aufsammeln, die tote Gegner fallen lassen. Mit aktivierter Lichtenergie laden wir unsere Gesundheit auf und mit Schattenmagie verteilen wir größeren Schaden. Ja, wir regenieren unsere Gesundheit mit Treffern bei aktivierter Lichtenergie, ab und an gibt es auch Punkte wo wir sie klassisch regenieren aber das ist eher sehr selten und meist vor Bosskämpfen. Dies macht die Kämpfe unglaublich taktisch, da man immer wieder abwägen muss, ob man sie jetzt einsetzt oder doch endlich mal anfängt besser zu blocken und auszuweichen. Die Lernkurve in dem Spiel ist sehr schnell und stures draufhämmern wie bei God of War führt zu keinem Ergebnis. Um mehr Lichtkugeln im Kampf sammeln zu können, müssen wir mehrere Treffer austeilen ohne Schaden zu nehmen, bis eine Leiste in der Mitte des Bilds aufgeladen ist. Dann lassen unsere Gegner bei jedem Treffer diese Orbs fallen. Mittelgroße Gegner wie Warghs, Trolle oder Riesenspinnen können wir ab einem bestimmten Punkt per Quick Time Event bändigen und dann reiten. Manchmal ist dies sogar notwendig, da diese uns helfen weiter zu kommen. Der Toll kann Wände einreißen, die Spinne spinnt für uns Brücken und Warghs klettern Wände hoch. Und ja, es gibt QTEs aber so entspannt wie hier, hab ich sie nie erlebt. Ihr müsst einfach im richtigen Moment eine Taste drücken, egal welche. So müssen QTEs sein! Viel Taktik ist auch bei den Bossen gefragt. Bei den Titanen müssen wir einfach drauf klettern und bestimmte Kristalle zerstören. Ja, geklettert wird hier auch. Dies macht Spaß und ist niemals frustrierend (außer man ist wie ich und springt gern ins Leere) An manchen Stellen ist auch eine Hommage an die alten 2D Spiele eingebaut, indem die Kamera unseren Kämpfer von der Seite zeigt. Das ist stimmig und passt. Natürlich gibt es auch Rätsel. Unser Kopf wird also nicht nur in Kämpfen gefordert. Mit Schriftrollen gibt man uns Hinweise und (sehr fair) auch eine Möglichkeit, das Rätsel mit Hilfe zu lösen, wird gegeben. Aber das gibt keine XP. Diese sammeln wir um neue Techniken freischalten zu können. Die Kämpfe sind unterhaltsam und immer wieder fordernd. Selbst kleine Gegner können uns ins Schwitzen bringen, einfach durch die Masse an Gegnern. Die Savegames sind gut und fair verteilt und die Ladezeiten nach dem Ableben sehr kurz.

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Kritik? Ähhhhhh………Die Haare sind nicht so schön animiert. Und man sollte frustresistent sein. Denn das Spiel ist fordernd. Aber wie schon die Spiele von From Software ist das so gewollt und tut gut. Das Gefühl nach den Bossen ist einfach unbeschreiblich. Nie liegt es am Spiel sondern eher an uns weil wir sinnfrei drauf los hämmern und nicht mit Taktik und Köpfchen gegen die Gegner vorgehen.

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Die beiden DLCs Reviere und Resurrection knüpfen an die Handlung an. Laura ruft Gabriel zur Hilfe, denn wie immer kommt es dicker als erwartet. Der Tod der einen befreit den nächsten Gegner. Die DLCs sind mehr Rätsel und Sprungeinlagen als Kämpfe aber der Bosskampf über mehrere Stufen bringt uns so richtig ins Schwitzen. Die Handlung dient dazu, zu erklären warum Gabriel zu dem wurde, zu dem er wurde…Dracula! Und damit bilden sie einen tollen Übergang zu Mirrors of Fate und Lords Of Sadow 2.

Dieses Spiel ist der Wahnsinn. Von der ersten Minute an, war ich gefesselt. Man merkt Kojimas Einfluss auf das Spiel, alles stimmt, alles passt zusammen und hier liegt ein Meisterwerk des Genres vor einem. Ihr steht auf God of War und DmC? Schnappt euch dieses Spiel!!!

PS: Nicht wundern wegen dem Titel. Dies sagt Gabriel wenn er einen der Fürsten besiegt hat

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