Wenn der Mensch Gott spielt

Was wäre wenn sich in den nächsten Jahren eine medizinische Sensation stattfindet uns Behinderungen oder Verletzungen anhand von Augmentierungen geheilt werden könnten? Wenn wir uns mithilfe technischer Upgrades zu besseren Menschen machen können? Rein physisch gesehen, natürlich. Mit dieser Frage setzt sich das Spiel Deus Ex Human Revolution auseinander.

2016-01-21_00004

Das Szenario der Zukunft sieht hier wie folgt aus: im Jahre 2027 können sich die Menschen mithilfe der bereits genannten Augmentierungen upgraden. Dies ist eine Anspielung auf den sogenannten Transhumanismus. Doch nicht nur für medizinische Zwecke wird es genutzt. Sondern auch einfach um sich besser zu machen.

2016-01-21_00011

Doch auch diese Bewegung hat seine Gegner. Man solle nicht Gott spielen und der Mensch sollte Mensch bleiben. Diese Problematik ist der Aufhänger für die Geschichte, welche vor dem Ur-Deus Ex angesiedelt ist.

Wir schlüpfen in die Rolle von Adam Jensen, Sicherheitschef bei Sarif Industries. Hierbei handelt es sich um ein Unternehmen, welches Augmentierungen herstellt. Zu Beginn der Handlung wird deren Labor von Terroristen angegriffen. Dabei wird Jensen schwer verletzt seine Ex-Freundin, die Wissenschaftlerin Megan Reed vermeintlich getötet. Sechs Monate später wacht Jensen aus dem Koma auf und seine Arme sind komplett durch Augmentierungen ersetzt und auch andere Teile sind nun robotisch. Sein Boss Sarif setzt Jensen auf diesen Fall an und er soll den Angriff untersuchen. Der Hauptteil der Handlung spielt in Detroit, später schlägt es uns nach Heng Sha in Asien und auch auf ein Schiff. Wir kommen dabei einem Komplott auf die Schliche und decken dieses nach und nach auf.

2016-02-09_00006.jpg

Mehr kann auf die Handlung nicht eingegangen werden, da es ansonsten massig Spoiler geben würde und das wäre diesem Spiel gegenüber unfair. Denn in Sachen Story ist Deus Ex Human Revolution genau das, was ich liebe. Die Charaktere besitzen Tiefe und sind glaubhaft. Trotz dieser Komplimente ist aber noch Luft nach oben, dies kann aber auch an den Zwischensequenzen liegen. Aber dazu später mehr. Spielerisch handelt es sich hierbei um einen Ego-Shooter mit gaaaanz viel Schleicheinlagen und Rollenspielelementen. Wobei Shooter übertrieben ist. Denn erstens ist die Gegner-KI ordentlich und Jensen steckt wenig ein und zweitens werden wir für heimliche Aktionen und Unauffälligkeit mit mehr XP belohnt. Statt klassisch aufzuleveln, erhalten wir für eine bestimmte Menge XP sogenannte Praxis und diese kann man dann in neue Augmentierungen stecken. Dabei stehen uns Upgrades wie stärkere Arme, Röntgenaugen, Tarnfunktion und viele andere zur Verfügung. Schade ist hierbei, dass man immer nur einen Praxis erhält aber für neue Funktionen immer zwei braucht. Nur das Aufleveln der Upgrades kostet nur einen Praxis. Also immer viel schleichen, hacken, Nebenmissionen machen und sogenannte Takedowns nutzen, aber auch hier bringen die nichttötlichen Attacken mehr XP. An sich können wir entscheiden wie wir vorgehen aber das Spiel belohnt uns für einen Spielstil mehr als für den Anderen, bissel schade da man indirekt in die eine Richtung gezwungen wird.

Die FPS-Ansicht macht das Schleichen schwierig aber wenn man sich an eine Wand lehnt, springt die Kamera in die 3rd Person Ansicht, was uns einen besseren Überblick verschafft. Ich persönlich hätte die 3.Person für das gesamte Spiel bevorzugt. An einigen Stellen war die erste Person als Sicht nicht sehr hilfreich, besonders die Mini-Map war nicht so hilfreich da sie nur anzeigt, in welche Richtung der Gegner schaut. Mehr nicht. Keine echte Karte also, auch die Karte im Menü war eher schlecht als recht. Aber hier hab ich auch andere Meinungen gehört.

Ansonsten ist das Spiel spielerisch fordernd aber nie unfair. Man erkennt seine eigene Fehler recht schnell und lernt daraus und macht es im nächsten Versuch besser.

2016-01-24_00010.jpg

Die Cutscenes treiben die gute Story ordentlich voran. Hierbei muss man unterscheiden zwischen denen in Spieloptik und den Vorgerenderten. Die Zwischensequenzen in Spieloptik geben uns die Möglichkeit die Dialoge zu lenken, dabei können wir immer zwischen mehreren Fragen/Antworten unterscheiden und müssen hoffen, das Richtige gesagt zu haben damit der Gegenüber das macht, was wir gern hätten bzw uns die gewünschten Informationen gibt. Jedoch leiden diese Momente im Spiel unter zwei Sachen: keine lippensynchrone, deutsche Sprachausgabe und die Charaktere sind eher steif. Die vorgerenderten Videos sind aber genau das Gegenteil. Sprachausgabe ist lippensynchron und die Charaktere bringen Leben in die Szene. Nur leider gibt es von denen weniger. Vorteil ist, wir haben auf die meisten Cutscenes Einfluss. Trotz der Kritik sind die Dialoge gut geschrieben und die Sprecher geben sich Mühe aber wie gesagt, bleibt der Charakter steif stehen, wirkt es etwas steif. Und das meinte ich vorhin, das den Charakteren was fehlt. Sie wirken bissel leblos, was zu der spannenden Geschichte um Verrat, philosophische Aspekte über den Mensch und Rassismus einfach nicht passt.

Das Gameplay an sich überzeugt. Das Hacken ist schnell erlernt und immer wieder fordernd, auch das Schleichen läuft eher nach dem Prinzip „Gegner beobachten und dann entsprechend bewegen“ Leider vergessen die Wachen schnell, das sie „was Verdächtiges“ gesehen haben. Überhaupt läuft das Schleichen irgendwie nicht so gut wie in Splinter Cell, was aber auch der Perspektive liegen kann. Kommt es doch mal zu Gefechten, so geht es leicht von der Hand. Zielen geht recht gut und auch das Hechten von Deckung zu Deckung geht recht schnell. Kommen zu viele Gegner in unseren Radius, dann aktivieren wir einfach Taifun, ein Kampfsystem welches in Jensen eingebaut ist und mehrere kleine Granaten verschießt (übrigens sehr coole Animation wenn es eingesetzt wird).

2016-01-24_00006.jpg

Optisch sieht das Spiel recht gut aus, was die Charaktere betrifft. Die Umgebungen sind abwechselnd in ihrer Optik aber trotzdem sehr schlauchförmig. Zwar können wir uns in Detroit und Heng Sha „frei“ bewegen aber das ist wiederum trotzdem sehr eingeschränkt. Das Design der Zukunft wird recht glaubhaft und ist eine interessante Mischung aus High Tech und Gegenwart.

Alles in allem ist Deus Ex Human Revolution ein gutes Spiel, storytechnisch sogar sehr gut aber es fehlt einfach an paar Ecken. Steife Charaktere in den Zwischensequenzen, angebliche Freiheit wie man die Missionen angeht aber die XP sagen was anderes und auch optisch fehlt die Abwechslung. Ein Vergleich mit Deus Ex von 2000 kann ich leider nicht machen aber die Luft nach oben ist da und vielleicht schafft es Mankind Divided, was dieses Jahr raus kommt, diesen Sprung nach oben zu vollführen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s