Im Weltall hört dich keiner schlafen

Man sagte mir vor kurzem: „Mensch, schreibe doch mal mehr über Filme oder Spiele, die du nicht so toll fandest.“ Und da wir gestern das Thema „Kritiker zerreißen Suicide Squad, aber wir sind trotzdem voller Hoffung“ hatten, kam mir die Idee, schreibe ich doch was zu Interstellar. Den Kritikerliebling, den ich sehr schwierig fand. Da die Kritikpunkte auch mit der Story zu tun hatten, wird der Artikel, wie schon der zum Spiel The Park (LINK), Spoiler enthalten. Ich möchte auch darauf hinweisen, dass diese Kritik von mir, R4nd4l3R4lf, stammt. Sie spiegelt nicht die Meinung vom Frolleinchen wieder 😀

Da es eine Weile her ist, dass ich den Film gesehen habe, musste ich bei Wikipedia die Handlung nochmal lesen. Und wäre dabei fast eingeschlafen. Sorry, Nolan, aber nee. Gehen wir das aber mal Punkt für Punkt durch. Ich beschränke mich dabei aber auf Rahmenpunkte, sonst wird das zu viel.

Im 21.Jahrhundert ist unsere Biosphäre sehr stark geschädigt und Leben auf der Erde bald unmöglich. Dürre, Pflanzenkrankheiten und Sandstürme führten zu Nahrungsmittelengpässen und überhaupt sieht alles sehr rosig aus. Die NASA wurde aufgelöst, da sie als zu teuer und unnütz galt. Natürlich forscht sie geheim weiter. (Wo immer die das Geld her haben). Der ehemalige NASA-Pilot Cooper, gespielt von Matthew MacConaughey, ist jetzt ein Farmer und hat so seine eigenen kleinen Probleme. Hierauf muss man nicht näher eingehen, da Nolan das Standardprogramm aufgezogen hat mit „alleinerziehend“ usw. Seine Tochter Murphy ist der festen Überzeugung, einen Geist in ihrem Zimmer zu haben, da Bücher immer wieder umfallen (MERKEN).

Jedenfalls ist eines Tages Sand in ihrem Zimmer und Cooper erkennt anhand der Symbolik, wie der Sand liegt, dass es Koordinaten sind. Diesen folgt er und landet in der geheimen NASA-Station. Dort erzählt man ihm, dass vor vielen Jahren ein Raumschiff los geschickt wurde, um ein schwarzes Loch zu untersuchen. Die Hoffnung war, einen bewohnbaren Planeten zu finden.

Es kommt wie es kommen muss, er fliegt natürlich das neue Raumschiff dahin und soll die Menschen retten.

Bis hierhin ist alles noch sehr klar strukturiert. Leider zieht es sich gefühlt in die Länge. Der Film ist hier schon sehr dramaturgisch inszeniert, leider auf die nervige Art und Weise. Im Film wird sehr viel mit Quantenphysik gearbeitet und hier ist der Otto-Normal-Mensch auch schnell raus. Viel zu komplex sind die Themen für Außenstehende. Und statt es wie in Donnie Darko verständlich zu erklären, klingt es eher wie ein Wissenschaftler-Porno für Sheldon Cooper. Wo stehen wir also hier? Eine Mischung aus GÄÄÄÄÄHN und HÄÄÄÄH. Also alles wunderbar soweit.

Natürlich reist Cooper nicht alleine. Ihn begleiten Amelia, die Tochter des leitenden NASA-Wissenschaftler Brand (gespielt von Michael Caine, der irgendwie in jedem der letzten Nolan-Filme dabei ist), Romilly und Doyle. Auch mit von der Partie sind TARS und CASE, zwei Roboter, die aussehen wie Kästen. Zuerst steuern sie einen Planeten an, wo eine Stunde sieben Jahren in normaler Zeitrechnung entspricht. Dort finden sie im kniehohen Wasser ein Wrack von der alten Mission. Dieses wurde doch meterhohe Wellen zerstört, welche natürlich auch auftauchen, als die Crew dort ist. Amelia wird gerettet, aber Doyle muss ins Gras beißen.

Während sie auf dem Planeten sind, altert Murphy und erforscht nach seinem Kälteschlaf das Schwarze Loch weiter.

Erster Planet besucht, eigentlich sollte es hier spannend sein, aber zu vorhersehbar. Immer noch reißt der Film einen nicht vom Hocker oder schafft es überhaupt, Spannung aufzubauen. Die dauerhafte, fast schon penetrante, depressive Grundstimmung des Films schafft eher Langeweile als alles Andere.

Durch eine Videobotschaft von Brand erfahren die Gefährten, dass alles eine Täuschung war und man doch eine neue Zivilisation gründen soll, statt über das Wurmloch eine Art Transport durchzuführen. Die Reise geht weiter und man landet auf dem nächsten Planeten. Dieser wurde von einem gewissen Mann (so ist sein Name und er wurde von Matt Damon gespielt) erforscht. Mann hatte falsche Daten gesendet und damit behauptet, der Planet sei bewohnbar. Doch dies erweist sich als Lüge. Hintergrund war, eine zweite Mission anzulocken und gerettet zu werden. (Das gelang ja so einigermaßen.) Nach seinem Geständnis versucht Mann, Cooper zu töten und Romilly wird durch eine Sprengfalle in Mann’s Raumschiff getötet. Mann flieht mit dem zweiten Raumschiff zum Mutterschiff im Orbit, aber stirbt beim manuellen Versuch, anzudocken.

Und hier wurde es für mich so richtig unlogisch. Mann erzählt, er will der Held und Retter der Menschheit sein, beziehungsweise gerettet werden, aber legt dann eine Sprengfalle, die den Weg zurück verhindert. Und ich denke nur: HÄÄÄÄÄÄH. Was soll das? Überhaupt… Warum braucht der Film unbedingt einen Antagonisten, zumal er unlogisch handelt. Dieser flieht natürlich und stirbt dann doch. Natürlich gibt es ein drittes Shuttle und Cooper sowie Amalie erreichen ihr Schiff.

Der letzte Planet wird angesteuert und ab hier wird es verwirrend. Während eines waghalsigen Manövers landet Cooper in einem von Alien erschaffenen Tesserakt. Dieser ist eine Art Portal in das Zimmer von Murphy. Cooper versucht über dieses Portal mit seiner Tochter zu kommunizieren. Durch die Gesetze von Raum und Zeit ist er in die Vergangenheit gereist. Naaaa, macht es Klick? Genau, er ist der Geist. Durch den Tesserakt ist er in einer Zwischenwelt und redet mit seiner Tochter. Jetzt wird es noch richtig kompliziert, da der Roboter TARS irgendein Problem in Brands Theorie löst und die Menschheit retten kann. Dies klappt natürlich alles. Der Vergangenheits-Cooper kann jetzt auf einmal das Rätsel lösen und alles wird gut. Warum nicht gleich so? Stimmt, damit dieser Film das alles so spannend erzählen kann.

Am Ende begegnet ein junger Cooper der alten Amalie und reist mit einem geklauten Shuttle zur jungen Amalie für ein Happy End. Ach und die Menschen wurden auf eine Raumstation gerettet.

Ich hab kein Problem mit Mindfuck. Ich liebe Filme wie „Inception“, „Shutter Island“ oder „Donnie Darko“. Aber „Interstellar“ versucht so genau in Sachen Quantenphysik zu sein, dass man als Zuschauer schnell abschaltet. Das mag alles richtig in seiner Theorie sein, Nolan wurde von einem Physiker beraten, aber es macht den Film mehr zu einem Wissenschaftsfilm, statt zu guter Unterhaltung. Die Dramaturgie im Film ist einfach übertrieben, die Stimmung ist so traurig, dass man sich als Zuschauer kaum traut, Spaß beim Gucken zu haben. Des Weiteren gibt es, besonders während des Guckens, so viele Logiklöcher. Das Ende fühlt sich total weit her geholt an. Und besonders schlimm ist: Der Film steuert gefühlt Stunden auf das Finale hin, was sehr komplex ist, aber in fünf Minuten dem Zuschauer nach dem Motto „friss oder stirb“ serviert wird. Eventuell hätte Interstellar eine Konkurrenz für Kubricks „2001-Odysee im Weltraum“ werden können, oder wenigstens eine Hommage. Aber er scheitert in meinen Augen krachend. Ich hatte nicht das „what the fuck“ Gefühl wie nach Donnie Darko, wo ich wusste, den muss ich nochmal sehen. Sondern es war ein „Was soll das?“ WTF. Alles in allem war der Film für mich einfach langweilig und hatte einen viel zu starke Fokus auf die Quantenphysik, die man als normaler Mensch so schon schwer versteht. Wird sie einem in Film serviert, kann das schnell nach hinten los gehen. Wie in diesem Fall. Man muss schon etwas Interesse für Wurmlöcher und so mitbringen, um diesem Film folgen zu können oder folgen zu wollen. Schade Nolan, bisher hattest nur gute Filme gemacht, aber das hier… War ne glatte 6

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